Ifo-Institut kritisiert Corona-Maßnahmen

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Senior Covid

Das Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung hat die Daten zur Übersterblichkeit in Deutschland analysiert und in einem Artikel veröffentlicht. Das Institut äußert darin Kritik an den Corona-Maßnahmen in Deutschland.

Das Ifo-Institut benennt methodische Mängel in vorhergehenden Analysen des Statistischen Bundesamts zur Übersterblichkeit und schreibt:

“Es zeigt sich deutlich, dass in den bisherigen vier Wellen der Pandemie weitaus mehr Menschen gestorben sind als es unter normalen Umständen zu erwarten gewesen wäre – aber wiederum auch weniger, als es die gängige Betrachtung des Statistischen Bundesamtes nahelegt, die die Folgen der Alterung in Deutschland nicht hinreichend berücksichtigt.”

Zum Todesfallrisiko von COVID-19 stellt das Wirtschaftsforschungsinstitut fest:

“Vor allem die Über-80-Jährigen waren im Verlauf der Pandemie deshalb akut gefährdet”

92% Prozent der Todesfälle betrafen demnach Personen ab dem 60. Lebensjahr, während bei jüngeren Menschen “eine Ansteckung meist harmlos verläuft”. Im Detail heißt es:

“Seit dem ersten Todesfall in Zusammenhang mit einer Corona-Erkrankung in KW 10/2020 sind bis Jahresende 2021 rund 96200 oder 5,5% mehr Sterbefälle zu verzeichnen als es zu erwarten gewesen wäre, die meisten davon (64%) in der Altersgruppe der Über-80-Jährigen, weitere 28% in der Altersgruppe von 60 bis 79 Jahren. Damit liegt die gesamte Übersterblichkeit seit Pandemiebeginn um rund 15% niedriger als es die Zahl der Corona-Toten (113400) nahelegt. Offenbar wurde ein Teil der Übersterblichkeit in den vier Corona-Wellen also durch niedrigere Todesfallzahlen in den Phasen geringer Inzidenzen ausgeglichen.

Dies legt den Verdacht nahe, dass in nicht wenigen Fällen eine Ansteckung mit dem Coronavirus dazu geführt hat, dass ohnehin geschwächte Personen früher gestorben sind als es sonst der Fall gewesen wäre.”

Auch wenn zu Beginn des Artikels angekündigt wird, dass man auf eine Bewertung der getroffenen Corona-Maßnahmen verzichtet, findet man in dem Artikel doch höflich formulierte Kritik an den Eindämmungsmaßnahmen von Bund und Ländern. So schreibt das Institut:

“Die Zahlen zeigen somit eindrücklich, dass es insbesondere in der zweiten Welle der Pandemie nicht gelungen ist, die besonders vulnerablen Gruppen ausreichend zu schützen, wohl auch deshalb, weil ein Teil der getroffenen Maßnahmen – wie z.B. Schulschließungen oder der Lockdown des öffentlichen Lebens – an dieser Bevölkerungsgruppe weitgehend vorbeigingen. Auch am Jahresende 2021 – in der vierten Welle der Corona-Pandemie – nahm die Übersterblichkeit vor allem bei den älteren Kohorten stark zu, möglicherweise infolge eines geringeren Impfschutzes gegenüber der Delta-Variante des Coronavirus.”

Des Weiteren stellt das Ifo-Institut kritisch fest:

“All dies hat nicht nur bislang als unumstößlich angesehene gesellschaftliche Grundüberzeugungen in Frage gestellt, sondern wohl auch das Vertrauen in die Krisenbewältigungsfähigkeit politischer Akteure beschädigt.”

Das Ifo-Institut äußert sich in dem Artikel auch zu dem Nutzen der Corona-Impfstoffe und bestätigt, dass eine sterile Immunität damit nicht erzielt werden kann, was nach Ansicht vieler Juristen eine wichtige Voraussetzung für eine Verfassungsmäßigkeit einer allgemeinen Corona-Impfpflicht wäre.

“Damit bestätigt sich, dass eine Impfung zwar nicht unbedingt vor einer Infektion, wohl aber vor schweren Verläufen schützen kann.”

Das Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung zieht zusammenfassend folgendes Fazit:

“Um so wichtiger ist es, Maßnahmen zu ergreifen, die geeignet sind, wenn schon nicht Infektionen, so doch schwere Krankheitsverläufe zu verhindern. Nicht alle in den letzten beiden Jahren getroffenen Maßnahmen erfüllten diesen Anspruch. Wichtig erscheint es vor allem, die vulnerablen Gruppen besonders zu schützen; die hier vorgelegten Zahlen zeigen, dass dies bis heute nicht ausreichend gelingt. Hier ist beispielsweise an die Konzentration von Drittimpfungen auf die besondere gefährdeten höheren Altersgruppen oder auch an eine altersgestaffelte Impfpflicht zu denken. Dies könnte es auch erleichtern, auf weniger zielgenaue Maßnahmen mit teilweise stark negativen wirtschaftlichen Nebenwirkungen zu verzichten.”

In den deutschen Leitmedien konnte ich keine Berichte zu diesen Erkenntnisse des Ifo-Instituts finden.

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