Journalismus – “Die vierte Gewalt ist schwer angeschlagen”

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Der Spiegel, ARD und ZDF

Im Begleittext zum Vortrag des Medienforschers Prof. Michael Meyen heißt es, “dass die so genannte vierte Gewalt schwer angeschlagen ist. Sie leidet an Zensur, Verleumdung und Korruption und im Moment weiß niemand so genau, ob sie jemals wieder etwas für die Demokratie tun kann.

Michael Meyen vergleicht die von den Leitmedien konstruierte Medienrealität mit der Matrix aus dem Science-Fiction-Film “The Matrix”. In diesem Film wird die Computersimulation der Matrix genutzt, um bewusstlose Menschen unter Kontrolle zu halten. Mit Blick auf die Leitmedien spricht Prof. Meyen von einer Medien-Matrix.

Michael Meyen erklärt, dass ein heftiger Kampf um die Medien-Matrix stattfindet. In dem folgenden 76-minütigen Vortrag zeigt er auf, in welchen Arenen diese Kämpfe stattfinden und wie die Medien-Matrix programmiert wird.

Michael Meyen nennt in diesem Vortrag vier Arenen, in denen die Medien-Matrix programmiert wird:

  1. Arena: Die Diskursordnung
    Die Diskursordnung ist die vorherrschende Ideologie einer Gesellschaft. Damit wird beispielsweise der Schutz von großem Eigentum und die Vergötterung von Markt und Erfolg als vorherrschende Ideologie verankert.
  2. Arena: Die Medialisierung
    Mit Medialisierung ist all das gemeint, was Personen tun, um in der Öffentlichkeit gut dazustehen. In dieser Arena findet man aufgerüstete PR-Stäbe der Staatsapparate und Konzerne, finanzielle Zuwendungen an Medienunternehmen (Anzeigen, Fördergelder) aber auch der Kampf des Staates gegen die Konkurrenz der Leitmedien im Netz (im sog. Kampf gegen Fake News und Desinformation). In der Arena der Medialisierung werden mit Geld Wirklichkeitsentwürfe produziert, die in die Medien-Matrix einfließen.
  3. Arena: Die Medienorganisation
    Durch die Profitorientierung der Medienunternehmen müssen diese ihr Publikum maximieren, dazu orientieren sich die Inhalte am Imperativ der Aufmerksamkeit, wodurch Artikel bevorzugt werden, die Angst, Sensation oder Abweichungen vom Standard beinhalten. ARD und ZDF bezeichnet Michael Meyen als Konzerne in der Hand der Politik.
  4. Arena: Das journalistische Feld
    Hier findet man eine homogene Zusammensetzung der Redaktionen, die hauptsächlich aus weißen, gebildeten Aufsteigern bestehen, die in Großstädten leben. Dadurch haben die Mitarbeiter in den Redaktionen eine weitgehend gleiche Sichtweise auf die Welt. Die ökonomische Medienkrise, die mit einem Abbau von Arbeitsplätzen einhergeht, fördert nach Ansicht von Michael Meyen einen Haltungsjournalismus, bei dem PR für eine bestimmte Gesinnung gemacht wird.

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